|
Endlich ins alpine Gelände............ Die " klettergartenähnlichen " Eistouren sind vorbei.
Hat das Training was gebracht ? Eine anspruchsvolle Woche steht ins Haus, wenn das Wetter, die Verhältnisse,
und die Kondition von Uwe stimmen..............
Eine fast zweiwöchige Wärmeperiode ohne Niederschläge haben die Eiskaskaden
am Argentieregletscher zum Einsturz gebracht. Die waren eigentlich zum Akklimatisieren gedacht.
Uwe ist das erste Mal im Mont Blanc Gebiet. Der obligatorische
Gang durch Chamonix ist schon mal ein guter Einstieg. In Chamonix dreht sich wirklich "Alles" um das Thema Bergsteigen.
Diesmal sind die "Japsen" wieder dominierend.Ich treffe auch ein paar bekannte Bergführerkollegen.
Infos austauschen, Bier trinken......das gehört hier auch dazu...
Zum Akklimatisieren suchen wir uns die direkte Nordwand zur Aiguille du Plan aus. Direkt über die Seracs haben
1988 F. Damilano und Gef. eine kühne Tour gelegt.
Kali-Fragili, V 6 1000 m
Je näher wir zum Einstieg kommen, umso langsamer (skeptischer) wird Uwe. Aber mit etwas Motivation und der
üblichen "Bergführertreiberei" ( es könnte ja finster werden.... ) schaffen wir es zum Einstieg.
Die ersten SL fordern bereits: Der schwere Rucksack......... Hartes senkrechtes Blankeis mit etwas Kombigelände, die
düstere N-Wandstimmung.Aber die Motivation treibt uns Seillänge für Seillänge hinauf. Durch
den starken Wind kommen ab und zu kleinere Schneerutsche herunter - gerade bei den schweren Passagen. Grausig
- den Kragen voll Schnee und keine Hand frei..... Ich quere nach 8 Seillängen zum Tourniersporn hinüber, sodaß
wir von diesen unberechenbaren Schneerutschen und dem Eisschlag der Seracs wegkommen.
Ein, zwei Eisschrauben pro SL als Zwischensicherung reichen, die vielen Tage in der Thun Klamm zum Eisklettertraining
zahlen sich jetzt aus. 70 - 80 Grad steiles Eis zählen zur Routine, eine wunderschöne Route mit Ausstieg in der Nachmittagssonne,
30 Minuten von der Bergstation der Aig. du Midi entfernt. Wir haben aber die Nächtigung in der Cosmiquehütte
eingeplant, so haben wir auch Zeit genug, um die weiteren und -leichteren- SL der Tournierroute zu genießen.
Je höher wir kommen, umso mehr nimmt der Genuß ab und die Plagerei wird größer........
Die Höhe, die Anstrengung und die Anspannung fordern. Die letzten 5 ! SL - eine knietiefe Wühlerei - gehen wir gleichzeitig.
Zeitdruck ! Wir steigen um 1700 Uhr am Grat aus. Es geht starker und kalter Wind, aber das Glücksgefühl überwiegt,
daß wir es geschafft haben........
Eine 3/4 Stunde zur Cosmiqueshütte - gemähte Wiese. Uwe fällt noch in eine Spalte, bricht sich einen
Teleskopstock ab.Ich kann wieder mal meine Kenntnisse in Spaltenbergung auffrischen - bei saukaltem Wetter, die
nassen Handschuhe gefroren, im letzten Abendlicht..........aber die Hütte ist anschließend bald erreicht.
Am nächsten Tag streikt die Kamera; sie kann ich nicht motivieren, aber Uwe hält sich tapfer....
ein paar SL am Tacul, Hatscher in der frühen Nachmittagssonne zur Seilbahnstation hoch, vorbei an
zig Valles Blanche Aspiranten...... eine Stunde später sitzen wir beim Bier und 16 Grad plus in Chamonix.
Duschen, Relaxen, Pläne schmieden.... Das Wetter soll noch zwei Tage halten.
Also auf in den Argentierekessel - diesmal Gottseidank sind auch die Ski dabei. Ein ordentlicher Rucksack kommt wieder zusammen.
Am 1. Tag geht's zur Argentierehütte, wir deponieren ein paar Sachen und Mittags ! gehen wir zu einer kleinen Erkundungstour los.
Der Col du Mont Dolent ist unser Ziel. Im wieder schauen wir in
die großen N-Wände von Triolet,Courtes, Droites
und Vertes. Bei mir werden wieder Erinnerungen
an die vergangene Zeiten wach. Als junger Bergführeraspirant
" hat " man sich ja zu profilieren:
In einer Woche habe ich damals die N-Wände von Triolet,
Courtes, Droites und Vertes abgehakt.
Wenn ich mir die derzeitigen Verhältnisse anschaue,
würde ich mir dies heutzutage gut überlegen.
Es herrschen nur auf einigen Routen Verhältnisse,
die eine Durchsteigung unter normalen
Umständen erlauben. Ein klein wenig spekulieren
wir aber schon mit einer der ganz großen Routen.
.....aber da muß ALLES im Vorfeld passen !
Leider spielt diesmal das Wetter nicht so richtig mit. Am Donnerstag gehen wir noch bei stärker
werdenden Schneefall ein 500 m hohes Couloir mit äußerst sprödem Blankeis. Die Abseilerei bei
Schneesturm und teilweise neu einzurichtenden Abseilständen war anschließend noch das große
Tüpferl auf dem i...........
Am nächsten Tag Null Sicht - also fahren wir nach Argentiere zurück - diese Skiabfahrt alleine war
eine Sache für sich....In Argentiere regnet es. Zusammenpacken, Umziehen und ab nachhause.
Aber die Berge stehen noch länger - auch wenn ab und zu einer zusammenfällt. |