Matterhorn Hörnligrat


  Der Kontrast könnte nicht größer sein. Gestern noch am Canale Grande in Venedig mit einer Gondel herumschippern. Heute ab ins Wallis. Lothar gibt sich noch ein paar Kletterübungen am Kletterturm in Rif. Dann ist er "fit" fürs Matterhorn. Bei traumhaften Wetter fahren wir über Oberalp- und Furkapaß ins Rhonetal und weiter bis Saas Allmagell. Der Wetterbericht ist bis Mittwoch sehr schön angesagt. Ab Mittwoch sieht die Sache nicht sehr rosig aus. Wir beschließen daher ohne Akklimatisations- und Eingehtouren das Hörnli zu erklimmen. Das Wetter muß genützt werden.
   
  Mit ein paar Tricks werden wir die Sache schon schaffen, auch wenn's hart wird.
Bahnfahrt von Täsch nach Zermatt. Seilbahn zum Schwarzsee. 2 1/2 Stunden Aufstieg zur Hörnlihütte bei Traumwetter. Wir essen eine Suppe und trinken eine Kleinigkeit. Dann machen wir uns noch auf die Socken. Wir gehen noch ein Stück den Hörnligrat hoch. So kann sich Lothar ein wenig akklimatisieren und auch einige schwierigere Stellen "ausbouldern". Nach Rückkehr zur Hörnlihütte kann man sich auch noch ein wenig das Publikum anschauen. Die Meisten träumen vom Matterhorn - dies wird auch weiterhin so bleiben........
               
  Richtige Matterhornaspiranten gibts es wenige. Tagesgäste, welche hier übernachten, um sich den Kick der Frühaufsteher zu geben, sind hier an der Tagesordnung. Die Anspannung ist fast Jedem anzusehen.
Wie immer bei "normalen" Westalpenverhältnissen sind auch keine Zermatter Bergführer hier. Die warten bis sich der Berg wieder gnädiger zeigt. Wobei sicherlich die Qualität der zu Führenden ein großer Faktor ist, bei welchen Verhältnissen man den Hörnligrat angehen kann.
Um 0400 Uhr gibts Frühstück, wenn man dies als solches bezeichnen will. Überhaupt läßt die Qualität des Essens sehr zu wünschen übrig. Hier merkt man den Nepp............
Wir kommen rasch und gut von der Hütte weg. Es ist natürlich alles gewöhnungsbedürftig. Mit Stirnlampe im Finstern herumstolpern...... Es ist sehr warm. Der Tag beginnt aber noch mit gutem Wetter. Wir sind im Großen und Ganzen alleine am Berg. Die anderen sind bereits weit zurück. Ausschlaggebend ist, daß man  den richtigen Weg findet. Dann läuft die Sache.......
Ein paar kurze Trinkpausen,  bei der Solvayhütte gibts eine kurze Rast. Kurz vor den Fixseilen ziehen wir unsere Steigeisen an. Um 0900 Uhr sind wir am Gipfel. Es zieht leider bereits von Westen her zu. Trotzdem sausen wir noch zum Italienergipfel hinüber. Beim Abstieg kommen uns die Ersten bei den Fixseilen entgegen. Mittlerweile beginnt es zu graupeln, es wird zunehmend schlechter. Rastpause bei der Solvayhütte. Uuml;ber die unteren Moseleyplatten seilen wir ab, teilweise klettern wir ab. Die Bedingungen werden zunehmend schlechter.
           
           
  Um 1330 Uhr haben wir die Hörnlihütte erreicht. Bei strömenden Regen steigen wir zum Schwarzsee ab. Der Nimbus Matterhorn ist wieder einmal gefallen. Nachträglich erfahre ich, daß einige Leute, die an diesem Tag aufgestiegen sind, für einige Tage auf der Solvayhütte bleiben mussten. Durch die beträchtlichen Neuschneemengen hatten sie den Abstieg nicht mehr zeitgerecht geschafft.

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